#KaffeeSatz Nr. 77

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„Es ist einfacher starke Kinder aufzuziehen,
als kaputte Erwachsene zu reparieren.“
– Frederick Douglas –

Eigentlich schreibe ich jeden #KaffeeSatz mit viel Engagement und Herzblut. In diesem jedoch steckt ganz viel von beidem 💞

Es geht um Kinder; um uns als erwachsene Kinder und um unsere Kinder; um das, was wir mit auf den Weg bekommen haben und das, was wir unseren Kindern mit auf den Weg geben.

Was packen wir in den Rucksack fĂŒr ihren Lebensweg ein?
Ist er leicht gepackt? Mit Liebe, Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht?

Oder ist er eher schwer gepackt? Mit Angst, Zweifel, Vorurteilen, Verachtung?

Kann unser Kind leichten Fußes und voller Selbstvertrauen ins Leben treten und sich an Wunder und Schönheit des Lebens erfreuen?

Oder geht es schwer beladen und angstvoll ins Leben?
Meistens weiß es gar nicht, dass es soviel Schweres mit sich trĂ€gt, es hĂ€lt die Schwere fĂŒr selbstverstĂ€ndlich. Vielleicht bemerkt das Kind diesen Ballast aber irgendwann und versucht ihn loszuwerden. Es merkt, dass es damit ganz langsam und schwer durchs Leben kommt. Es merkt auch, dass es sich und andere mit diesem Gewicht (zB mit Angst und Zweifel) „runterzieht“.

WĂ€hrend andere, die voller Liebe und leichten Herzens sind, viel glĂŒcklicher und erfolgreicher durchs Leben gehen. Sie verschenken großzĂŒgig Liebe und Freude und haben trotzdem immer genug davon.

Doch warum sind manche Menschen fröhlich und leicht und andere wiederum traurig und schwer.

Nun, das liegt meistens am GepĂ€ck, das ihnen schon in frĂŒhester Kindheit von ihren Eltern aufgeladen wurde. Dieses GepĂ€ck besteht aus:

– Mangel an Liebe und ZĂ€rtlichkeit
– ĂŒberzogenen Erwartungen
– Schuldzuweisungen
– Zweifel
– EnttĂ€uschung (der Eltern)
– Vergleiche mit Anderen
– Antreiber (Sei perfekt, Mach schnell, streng dich an, mach’ es allen recht und sei stark)

Aber wie kann es sein, dass Eltern, die es mit Sicherheit immer gut mit ihren Kindern meinen, den Kindern ihr „GepĂ€ck“ aufdrĂŒcken.

Ganz einfach, weil sie es selber nicht anders gelernt und erfahren haben. In der Regel kommen sie selber aus einem ziemlich blutleeren oder gewaltsamen Elternhaus (auch psychisch gewaltsam). Sie haben selbst nicht erfahren, was Liebe und Geborgenheit bedeutet. Und wo nichts ist, da kann man auch nichts weitergeben.

Es ist auch nicht nur die Generation, die als Kind wÀhrend oder nach dem Krieg aufgewachsen ist, es ist erschreckenderweise auch die Generation danach, die unter schweigenden, depressiven oder nicht vorhandenen Eltern gelitten hat, die diesen Ballast weitergibt. Weil sie es so erfahren, gelernt und es ihnen so antrainiert wurde.

Ich bin immer zutiefst erschĂŒttert, wenn ich in BeratungsgesprĂ€chen mit meinen Klienten feststelle, dass auch VĂ€ter und MĂŒtter meines Alters, also Anfang 50, diesen Erziehungsstil weitergeben.

Bei den Ansichten, die sie Ă€ußern, habe ich oft den Eindruck, dass sie direkt am Preußischen Hof beim Alten Fritz persönlich gelernt haben: Drill und Disziplin!
Übrigens stammt unser heutiges Bildungssystem genau aus dieser Zeit, in der sich der Alte Fritz eigens fĂŒr den Krieg die Soldaten herangezogen, um nicht zu sagen „herangezĂŒchtet“ hat.
Einfach nur gruselig!

Und hier kommt meine Bitte, mein Herzenswunsch đŸ™đŸ»đŸ’•

📍Es wird endlich Zeit, damit aufzuhören! Es wird Zeit, dass wir diese Kette der irrsinnigen und menschenfeindlichen Erziehungsmethoden jetzt sofort beenden.

📍Wir mĂŒssen aufhören, unseren Kindern unseren „AhnenmĂŒll“ aufzuladen, der schon ĂŒber mehrere Generation mitgeschleppt wurde.

📍Es wird Zeit, dass wir unseren Kindern das mitgeben, was sie fĂŒrs Leben stark macht: Liebe, Liebe und nochmals Liebe. Bedingungslose Liebe, Vertrauen, Anerkennung, LoyalitĂ€t.

Das ist ĂŒbrigens auch viel leichter als diese altpreußischen Regeln und SprĂŒche, bei denen man nie weiß, wann, wie und ob sie ĂŒberhaupt funktionieren.

Liebe und Vertrauen in unsere Kinder muss man nicht lernen, das sind Urinstinkte, die schon da sind.
Leider wurden sie uns im Laufe der Jahrhunderte durch den Druck der Gesellschaft abtrainiert. Je angepasster die Menschen an die Gesellschaft sind, desto besser funktionieren sie fĂŒrs System. Viele trauen ihren eigenen Instinkten nicht mehr, sie haben Angst vor ihrem eigenen Schatten.

Ein Kind, das von Àngstlichen Eltern aufgezogen wurde, wird in den seltensten FÀllen ein mutiger Mensch, der beherzt ins Leben tritt.
Und erst recht nicht, wenn die Eltern den Kindern immer wieder ihren eigenen MĂŒll aufladen, nur weil sie es nicht anders kennen.
Wir mĂŒssen aufhören, unseren Kindern unsere Altlasten aufzuladen! Vor allen Dingen nicht mit dem Hinweis: „Hier hast Du meinen SeelenmĂŒll und meine unerfĂŒllten TrĂ€ume, mach es besser als ich!“
Was fĂŒr ein Irrsinn!

Wenn ein Kind zusammenbricht oder rebelliert, dann ist das in der Regel nicht, weil es zu schwach oder schlecht ist, sondern, weil ihm die Last, die ihm die eigenen Eltern in ihrem Selbstoptimierungswahn und mit ihren ĂŒberzogenen Erwartungen auferlegen, zu schwer ist.

Die Erwachsenen sollten erst an sich und ihrer eigenen Geschichte arbeiten und ihn nicht ihren Kindern aufbĂŒrden!

Der erste Schritt zu einem positiven, selbstbewussten Kind sind positive, ausgeglichene Eltern.

Es ist nie zu spÀt, um etwas zu Àndern, und wenn es nur ein kleines ZahnrÀdchen im Gesamtsystem ist, das wir verstellen.
Und besonders in dieser Zeit des globalen Wandels haben wir die große Chance dazu, AltbewĂ€hrtes, das nicht mehr dient, ĂŒber Board zu werfen.

Wir sollten sofort damit beginnen, uns und unseren Kindern zuliebe.
Sie brauchen uns und unsere Liebe und UnterstĂŒtzung gerade jetzt sehr dringend.

Wir wissen nicht, was mit unseren Kindern im Moment seelisch passiert und die psychischen SpĂ€tfolgen können wir auch nicht einschĂ€tzen. Aber wir können JETZT etwas fĂŒr ihr Wohlergehen tun.

Bitte, bitte achtet auf eure Kinder:
📍 Lasst sie so, wie sie sind!
Da gibt es rein gar nichts zu reparieren. Sie sind einzigartig und perfekt, genauso, wie sie sind.
📍 Liebt sie bedingungslos!
Sie mĂŒssen nicht dies und jenes erst erledigen oder gut machen, um Liebe zu bekommen.
📍 StĂ€rkt sie!
Seht und anerkennt ihre Einzigartigkeit und ihre besonderen Talente.
📍 Nehmt sie in den Arm!
So oft es geht. HautberĂŒhrungen, LĂ€cheln und freundliche Worte stĂ€rken das Immunsystem und machen starke und zuversichtliche Menschen aus ihnen.

🍃🍃🍃

– Wenn Deine Altlasten oder Dein AhnenmĂŒll Dich erdrĂŒcken und Du nicht mehr alleine weiter kommst, melde Dich!
– Wenn Du merkst, dass Du Dein Kind mit Deinen Altlasten ĂŒberforderst, lass uns daran arbeiten! Es lohnt sich!

– Es ist nie zu spĂ€t, um eine glĂŒckliche Kindheit gehabt zu haben. Es braucht nur einen anderen Blick. –
(Milton H. Erickson)

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