#KaffeeSatz Nr. 36

Die Kunst der Konversation ist ausgestorben! Es scheint schlichtweg unmöglich geworden zu sein, eine leichte, ungezwungene Unterhaltung zu führen, ohne sich danach irgendwie komisch zu fühlen. Was passiert da gerade?

Konversation ist laut Duden ein „häufig konventionelles, oberflächliches und unverbindliches Geplauder; Gespräch, das in Gesellschaft nur um der Unterhaltung willen geführt wird“.

Wir führen sie alle, diese Konversationen: auf Festen (mit mehr oder weniger bekannten Menschen), auf einer Zugfahrt, mit dem Nachbarn, im Büro auf dem Flur usw.

Die Betonung liegt auf ‚leicht und unverbindlich‘. Doch das scheint für die meisten Menschen ein Problem zu sein.

Entweder sie packen sofort ein heißes Eisen (Politik, Religion) an und damit auch gleich die Keule der Besserwisserei und Rechthaberei oder sie leiden an der momentan ziemlich verbreiteten Maulfaulheit, hier werden Fragen nur mit Ja, Nein oder Einwortsätzen (Wie geht es Deiner Familie? gut) beantwortet 🙄

Und beides nervt extrem.

Die Besserwisser und Rechthaber tun das Ganze nur mit einem Ziel: zum Einen, um sich selber reden zu hören und zum Zweiten, um dem Gegenüber ihre eigene Überzeugungen ‚überzubraten‘ und das mit aller Gewalt und allen Mitteln.
Dass zu einem Austausch auch das Zuhören gehört, ist ihnen irgendwie entgangen.

Man wird permanent unterbrochen, weil das eigene Statement ja viel wichtiger ist und folglich hat er natürlich auch nicht zugehört.
Ein unwohles Gefühl bleibt irgendwie in der Luft hängen.
Man hat das Gefühl, dass, wenn man nicht ein astreines Plädoyer abliefert, bei Verlassen des Gebäudes erschossen wird.

Der Besserwisser und Rechthaber würde übrigens niemals auch nur die einfachste Unterhaltung unbewaffnet führen. Also, ohne sein Handy. Er braucht es als Quellennachweis und Wissensbeweis.
Sollte man also jemals etwas anderes behaupten als er, dann wird sofort das Handy und somit der heilige ‚Internetbeweis‘ gezückt.
So: Ich habe falsch gelegen: Kopf ab!
Er hat (natürlich) richtig gelegen: Er ist der Gott der Wissenden.

Solche „Handy-Zück-Aktionen“ ersticken jeden schönen und lockeren Gesprächsfluss direkt im Keim.

Es ist übrigens gesetzlich erlaubt, in einer Konversation zu sagen: „Oh, das weiß ich nicht. Aber interessante Frage. Der werde ich später mal nachgehen.“

Und da gibt es die Maulfaulen. Auch wenn man sich schon länger kennt, muss man ihnen jedes einzelne Wort aus der Nase ziehen. Wenn man Fragen stellt, kann man immerhin mit einsilbigen Antworten wie Ja, Nein, gut, schlecht, usw. rechnen. Wenn man keine Fragen stellt, sieht’s schlecht aus. Keine Fragen an ihn, keine Konversation.

Selbstverständlich muss ich mich mit niemandem zwanghaft unterhalten, bei manchen Gesprächspartnern verzichte ich bewußt darauf, aber ich habe nichts gegen eine leichte, entspannte und witzige Konversation. Es hat etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun. Ich zeige ein Mindestmaß an Interesse an meinem Mitmenschen.

Kurze Anekdote von gestern Abend:
In einer Straußwirtschaft in unserem schönen Rheinhessen sind wir mit einem Paar ins Gespräch gekommen (das passiert hier gelegentlich 😂) und es entstand eine schöne, leichte Unterhaltung. Jeder durfte wertfrei seine Meinung kundtun, es wurden gegenseitig Fragen gestellt, gemeinsame Bekannte entdeckt und wir hatten ähnliche geographische und politische Wissenslücken Europa betreffend.
Und niemand hat im Laufe der 3 Stunden das Handy zu Recherche- oder Beweiszwecken gezückt.
Ich bin schon ein bisschen stolz darauf 😁

***

Was macht eine gute Konversation aus?

– Ich darf sprechen und ich darf zuhören – das hat was mit Respekt zu tun
– Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen, sie muss nicht jedem gefallen
– Diskutieren ja, aber nicht den Anderen überzeugen wollen
– Zuhören! 1. ist es eine Sache des Respekts einem Menschen gegenüber und 
2. lernen wir nichts dazu, wenn wir uns nur selber zuhören
– Absolutes Handy-Verbot!

Bei weiteren Fragen zum Thema Konversation und Kommunikation:
https://brigitte-ciraudo.de/kontakt/ oder PN

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